Nach der von Toby und mir gleich doppelt rezensierten und von uns beiden als sehr gut befundenen MCD „Der Erde entwachsen (Gewollte Wunden)“ legen die Norddeutschen KERBENOK nun mit ihrer ersten LP-Veröffentlichung über ein Label (Northern Silence) nach. Unter dem schlichten und merkwürdigen Titel „o“ hat das über 70 Minuten dauernde Mammutwerk bereits Ende November seinen Release gehabt und liegt mir nun zur Rezension vor.
Vorweg sei gleich erwähnt: Enttäuschung und Überraschung sind zwei Dinge, die mit „o“ absolut nicht zu assoziieren sind. Die potentielle Enttäuschung (und damit auch Überraschung) nach dem klasse Vorgänger wird bereits beim ersten Song „Heimstatt in Trümmern“ ganz weit davon geschwemmt, wenn man sofort – und mit fortdauernder Spielzeit immer mehr – erkennt, dass es KERBENOK geschafft haben, ihre aggressiv-archaische Wut beizubehalten, aber gleichzeitig die tollen und abwechslungsreichen Ansätze der MCD weiter auszubauen. Klaren Hintergrundgesang gibt es neben den Screams auf „o“ wieder genauso passend und nicht zu pathetisch überladen eingesetzt, wie sich auch diverse Gastmusiker mit Cello, Querflöte, Piano, Percussion-Instrumenten, Horn und weiblichem Gastgesang verewigt haben und dem Album eine instrumentale Tiefe und Abwechslung verleihen, wie ich sie zuletzt auf einem Schwarzmetall-Album wohl von NEGURA BUNGET hören durfte. Selbst minimal elektronische Einsprengsel finden da schon mal ihren Weg in dieses akustisch-metallische Orchester, werden aber behutsam und mit solcher Vorsicht eingesetzt, dass sich wieder alle verschiedenen Einflüsse zu einem natürlichen Klangerlebnis ergänzen. „Natürlichkeit“ ist überhaupt das Stichwort, dass „o“ wohl am besten zu beschreiben weiß: Unaufgesetzt und authentisch präsentieren sich die zehn Songs des Albums, ohne irgendwann in Ideenlosigkeit, Langeweile oder triefendem Pathos zu versinken. Wo andere Bands oft mit Stürmen, Panzern oder diversen Handwerksutensilien verglichen werden, pflanzen KERBENOK mit „o“ einfach einen Baum in der Black-Metal-Szene: Ein Baum, dessen Wurzeln sich von Bands wie den erwähnten NEGURA BUNGET und besonders den Norwegern ENSLAVED nähren mag, einen kräftigen, gesunden Stamm aus diesen Einflüssen entwickelt hat und mit wild sprießenden Ästen unkontrolliert gen Himmel strebt.
KERBENOK ist mit „o“ ein überzeugendes und mitreißendes Album gelungen, welches ohne Probleme beweist, dass die Herren inzwischen zu der Handvoll deutscher Pagan-Black-Metal- Bands gehören, die großartige, heidnisch inspirierte Musik auch noch authentisch und clichéfrei darbieten können.
Lineup:
Stefan – Guitars, Bass, Voice
Christopher – Drums, Voice, Vibraphone
Gastmusiker:
Amir – Bass
Marco – Tabla, Conga, Kalimba, Querflöte
Loretta – Gesang, Klavier
Ingeborg – Cello, Horn
Tracklist:
Lineup:
1. Aus der Stille...
2. Heimstatt in Trümmern
3. Die Schwere unserer Glieder
4. Im Kreise ziehen wir unsere Runden
5. Waldfrieden
6. Frihet er våres
7. Verstandes Klinge
8. Lys
9. Hardangervidda
10. ...in das was noch kommen mag.
9.0 Punkte von Gorlokk (am 31.12.2008)
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musikalischer Background des Verfassers Melodic Death, Modern Prog-Rock/Metal, Pagan Metal, Folklore/Neofolk, Black Metal, Neo-Thrash, Düster-Rock und noch viel mehr
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